Geschichte

St. Leonhard in Inchenhofen – Wallfahrtssuperiorat des Klosters Fürstenfeld

Geschichtlicher Überblick

9.4.1259 Schenkung der Kirche von Hollenbach an das Kloster Seldenthal durch Herzog Ludwig II.
8.1.1265 Bestätigung der Schenkung durch den Herzog an das Kloster Fürstenfeld
20.12.1283 Bestätigung der Schenkung durch den zuständigen Diözesanbischof Hartmann von Augsburg und Inkorporation der Pfarrei
18.1.1289 Erste Ablaßurkunde
1310 Grundsteinlegung für den Bau einer Kirche
1312-1315 Gewährung zahlreicher Ablässe, die als Indiz für einen beginnenden Kirchenbau gelten können
1317 Anfertigung eines Missales ad honorem S. Leonardi – zur Ehre des Hl. Leonhard im Kloster Fürstenfeld
6.7.1321 Verleihung der Niedergerichtsbarkeit zu Inchenhofen durch den König Ludwig (seit 1328 Kaiser), Sohn Herzog Ludwigs II., an das Kloster Fürstenfeld
4.6.1328 Inkorporation der Leonhardskirche durch Gegenpapst Nikolaus V.
4.10.1330 Inkorporation der Leonhardskirche durch Bischof Friedrich von Augsburg – Aufteilung der Stockgefälle (Einnahmen aus dem Opferstock) zwischen Bischof und Kloster
17.5.1332 Kirchweihe durch den Augsburger Weihbischof Heinrich von Kiew
21.1.1334 Verleihung des Bannschillings (Verkaufssteuer auf alle in Inchenhofen angebotenen Getränke und Nahrungsmittel) an das Kloster durch Kaiser Ludwig
18.6.1395 Ablösung des bischöflichen Anteils an den Stockgefällen durch das Kloster
1425/1428 Pläne zur Gründung einer eigenen Pfarrei, die allerdings gescheitert sind
10.1.1428 Ablaßbrief Papst Martins V. für einen Kirchenneubau
1451-1454 Unter Abt Paul Hertzmann evtl. Umbaumaßnahmen: Einbau der gotischen Maßwerkfenster im Langhaus, Errichtung eines neuen Chors, Teilerneuerung der Ausstattung, Erhöhung des Turms
1542 Neubau der oberen Turmgeschosse nach einem Blitzschlag
1546 Plünderung des Kirchenschatzes im Schmalkaldischen Krieg
1618 Einsturz des Langhauses
1618-1623 Langhausneubau unter Abt Sebastian Thoma (1610-1623) mit Umgestaltung des Chores und Errichtung eines neuen Turmoktogons mit Zwiebelhaube und Erneuerung der Ausstattung (Stuckierung und Errichtung neuer Altäre: Hl. Leonhard – Hl. Martin – Gnadenaltar mit Vesperbild)
1704 Im Spanischen Erbfolgekrieg nach der Schlacht von Höchstädt Brandschatzung von Kloster, Kirche und Markt durch die Engländer
1714 Unter Abt Kaismir Kramer Wiederherstellung der schwer beschädigten Kirche
1755-1761 Rokokoausstattung unter Abt Alexander Pellhamer (1745-1761):
Freskierung und Altarbilder von Ignaz Baldauf (1715-1795)
Hochaltar, Chor- und Seitenaltäre und Kanzel von Anton Wiest (1717-1797) aus Schrobenhausen
1803 Säkularisation

Die Ausbreitung der Verehrung des hl. Leonhard

Jacobus de Voragine berichtet von vielen Wundern, die sich nach Leonhards Tod ereignet haben. Der eigentliche Leonhardskult begann jedoch erst im 11. Jahrhundert nach der Erhebung seiner Reliquien. Von Frankreich aus verbreitete er sich rasch nach Osten und Süden.

In der Diözese Augsburg findet sich ein erster Hinweis für seine Verehrung bereits im Jahre 1010: durch einen Eintrag im Heiligenkalender. 1109 wurde bei Boerch in der Diözese Straßburg die erste Leonhardskirche im deutschsprachigen Raum geweiht. 1139 legte Bischof Otto von Freising Reliquien des Heiligen in den Altar der Kirche auf dem Petersberg am Madron. Etwa zur selben Zeit entsteht in Kärnten St. Leonhard im Lavanttal – heute die älteste bekannte Kettenkirche. Um 1150 findet sich Leonhards Lebensgeschichte in Heiligenviten zahlreicher bayerischer Klöster: z.B. Tegernsee, St. Emmeran in Regensburg, Polling, Schäftlarn oder Windberg bei Straubing. 1184 weiht der Tegernseer Abt in Kreuth die älteste bayerische Leonhardskirche.

Die schnelle Verbreitung der Leonhardsverehrung hängt wohl auch mit den Kreuzzügen zusammen: Neben dem hl. Martin von Tours und dem hl. Georg war Leonhard als Patron der Gefangenen von besonderer Bedeutung.

Das Relief auf der Nordseite von San Marco in Venedig, Ausgangshafen für den Vierten Kreuzzug (1202-1204) läßt sich vor diesem Hintergrund erklären.

Auch im deutschen Sprachraum wird Leonhard in der Kunst früh dargestellt: zum ersten Mal 1220 in einer Miniatur des Zisterzienserklosters Zwettl. Die Plastik aus dem Würzburger Dom vom beginnenden 14. Jahrhundert zeigt ihn schließlich mit den Attributen, die auch für die Zukunft maßgebend sind: Abtstab, Buch und Kette.

Leonhard als Schutzherr der Gefangenen – gewissermaßen das Urpatronat. Daraus und aus seiner Lebensbeschreibung entwickeln sich alle anderen Patronate:

  • Patron der Gebärenden
  • Patron der Geisteskranken (auch sie wurden früher in Ketten gehalten)
  • Patron all derer, die „in mancherlei Bande verstrickt sind“ (Oration aus der Fürstenfelder Leonhardsmissale) – also der Nothelfer schlechthin.
  • und schließlich: Patron der Tiere, vor allem der Pferde und des Hornviehs

Als Viehpatron wird Leonhard in Bayern zum „Bauernherrgott“ – zum Helfer in allen Situationen bäuerlichen Lebens. Die Gefangenenkette wird zur Viehkette, zu seinen Füßen erscheinen nun Pferd und Rind.

Im Leonhardskult sind es vor allem eiserne Weihegaben, die diesem Heiligen aus Dankbarkeit verehrt wurden: Tiere, Hufeisen, Ketten.
Leonhard ist der „Eisenherr“.
Ein besonderes Phänomen ist dabei in Inchenhofen der so genannte „Leonhardsnagel“.
1455 ist er erstmals bezeugt. Nach Aussage des Mirakelbuchs von Abt Dallmayr wurde er „aus dem geopfferten Eisenwerck“, also aus den Eisenvotiven, zusammengeschmolzen – „von 242 Pfund schwer“.
Der Überlieferung nach gab es den Brauch, sich den Nagel auflegen zu lassen – als besonderes Zeichen von Buße und Andacht. Dabei sind jedoch auch schwere innere Verletzungen bezeugt.

Text: Dr. Birgitta Klemenz, Fürstenfeldbruck; den Aufzeichnungen im Wallfahrtsmuseum entnommen

Zurück