2000 Pilger bringen ihre Anliegen zum heiligen Leonhard

Inchenhofen (san) Trotz zweijähriger Coronapause kamen am vergangenen Pfingstmontag rund 2000 Wallfahrer in den Morgenstunden singend und betend nach Inchenhofen um ihre Anliegen und Bitten dem heiligen Leonhard vorzubringen. Die meisten Pfarreien und Ortschaften erweisen seit mehreren Jahrhunderten dem „bayerischen Herrgott“, wie er im Volksmund genannt wird, die Ehre. Der Heilige ist der Schutzpatron der Gefangenen, der Mütter, der angeketteten Tiere und auch der Geisteskranken und wird schon seit mehr als 700 Jahren verehrt. Am Pfingstmontag wird in Inchenhofen die Erzbruderschaft des heiligen Leonhard gefeiert. Pfarrgemeinderatsvorsitzender und zweiter Bürgermeister Hans Schweizer schätzte 2000 Wallfahrer und freute sich, dass auch viele Kinder und Jugendliche mit zum heiligen Leonhard wallfahrten. Ab sechs Uhr fanden stündlich Wallfahrtsgottesdienste statt, die von Dekan Stefan Gast und Pater Alois Mäntele in jeweils einem vollbesetzten Gotteshaus zelebriert wurden. Darunter waren Gruppen aus Hilgertshausen, Singenbach, Junkenhofen, Alberzell, Klenau, Gumpersdorf, Petershausen, Sulzbach, Ed, Stadlham, Weilach, Griesbeckerzell, Obergriesbach, Zahling, Ober- und Untermauerbach, Taiting, Edenried, Laimering, Rieden, Peutenhausen, Gachenbach, Klingen, Thalhausen, Ecknach, Oberbernbach und Unterschneitbach, Dasing, Rinnenthal, Rehrosbach, Paar, Harthausen, Walchshofen, Oberschneitbach, Wulfertshausen und Eismannsberg. In jedem Wallfahrtsgottesdienst wurde den Pilgern mit der Leonhardsreliquie der Segen gespendet. Erleichtert war Dekan Stefan Gast, dass die Pfingstwallfahrt wieder durchgeführt werden konnte und dass so viele Wallfahrer jeden Alters kamen. Er kam mit vielen Wallfahrern und Gruppen ins Gespräch. Die Ministranten der Pfarrei sind gerade an solchen Tagen besonders gefordert. Fast ununterbrochen konnte man die beeindruckenden Glocken der Wallfahrtskirche schon von Weitem hören, die die Wallfahrer einläuteten. Seit kurz nach fünf Uhr morgens war die Mesnerfamilie Kaltenstadler in der Kirche und hat Vorbereitungen für die Gottesdienste getroffen und Aufnahmen zur Erzbruderschaft, sowie Messintentionen entgegengenommen. Die Wallfahrt nach Leahad zum heiligen Leonhard ist für die 18-jährige Johanna Nodlbichler aus Zahling etwas ganz Besonderes. Seid sie sechs Jahre alt ist, geht sie regelmäßig die Wallfahrt mit und betet für die Gesundheit ihrer Familie. Auch ihr Freund Niklas Koller (18 Jahre) machte sich heuer zum ersten Mal mit auf dem Weg. Für ihn war es eine ganz neue Erfahrung, die er gerne wiederholen will. Beide standen bereits um 3:15 Uhr auf und gingen um 3:45 Uhr los. Besonders gefiel Koller die Wegstrecke durch den Wald und die Natur in den frühen Morgenstunden. Als Belohnung suchten sich beide Süßigkeiten am Stand des Pfarrgemeinderates aus.  Ruhestandsgeistlicher Thomas Gestlacher ging mit seiner Wallfahrergruppe aus Oberbernbach mit zum heiligen Leonhard. Er zelebrierte den Gottesdienst um 7 Uhr mit. „Das ganze Leben ist eine Wallfahrt. Wichtig seien aber immer wieder Pausen und ein festes Ziel vor Augen.“, so Gerstlacher. Für Martin Großhauser (50 Jahre) aus Stockensau ist die Wallfahrt nach Inchenhofen ein fester Bestandteil jeden Jahres. Er geht bereits als Kind Jahr für Jahr die Wallfahrt mit den Peutenhausern mit. In Radersdorf schlossen sich sein fünfjähriger Sohn Jakob und seine Frau Heidi (46 Jahre) der Gruppe mit an und liefen das letzte Stück mit. Großhauser war froh und dankbar, dass die Wallfahrt dieses Jahr wieder wie gewohnt durchgeführt werden konnte. Bei einer Wallfahrt darf natürlich die anschließende Brotzeit nicht fehlen, deshalb herrschte in den beiden Leahada Gaststätten Hochbetrieb. Andenken und Süßigkeiten gab es am Verkaufsstand des Pfarrgemeinderates. Das Pontifikalamt wurde von Abt Vinzenz Wohlwend OCist aus dem Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau und Dekan Stefan Gast zelebriert. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Hans Schweizer hieß den Zisterzienserabt herzlich willkommen „Heute sind viele begeisterte Wallfahrer schon seit den frühen Morgenstunden zu Fuß unterwegs nach Leahad. Es geht auf den Geist, Gottes Geist, zurück: Pfingsten. Überall, wo Mitmenschlichkeit über Eigensinn siegt oder Brücken gebaut statt Mauern errichtet werden kann Gottes Geist begeistern, liebevoll zu handeln. Wo wir Menschen keine Möglichkeiten mehr sehen, da fangen Gottes Möglichkeiten erst an. Gottes Geist übersteigt unser Denken und ist größer als unser Herz.“ so Schweizer, der als zweiter Bürgermeister und Pfarrgemeinderatsvorsitzender den Ehrengast begrüßte. „Miteinander unterwegs sein und füreinander da sein. Die Kirche soll ein Ort sein, wo wir hingehen dürfen und willkommen sind. Stellen wir uns die Fragen: Wohin gehen wir im Leben? Wer sind wir? Was sind unsere Talente und Fähigkeiten? Jeder Einzelne von uns hat seine Talente und Qualitäten, damit die Gesellschaft vielfältig ist. Lernen wir wieder mehr Rücksicht zu nehmen, einander in den Blick zu nehmen und füreinander da zu sein. Wir brauchen unsere Gesellschaft, Mitmenschen und unsere Vereine.“, so Abt Vinzenz Wohlwend OCist in seiner kurzweiligen und überzeugenden Predigt. Das Pontifikalamt wurde mit dem Kirchenchor und dem Orchester unter der Leitung von Tobias Wittmeir feierlich umrahmt.

Fotos: Sandra Schweizer

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